Über uns

„…. Zügig biege ich in die Königin Astrid Straße hier in Stolberg ein. Mein Puls nimmt zu, ich spüre, wie meine Hände feucht werden und sich krampfhaft um das weiche Lederlenkrad klammern.
Heute habe ich ein Date, ein Rendezvous mit gleich dreien von mir schon ewig Angebeteten. In sanften Schwüngen fahre ich ungeduldig die leichte Steigung hinauf, noch einmal Abbiegen, dann erscheinen die ersten kleinen Industriehallen in einem winzigen Gewerbegebiet, welches von sattem Grün umgeben ist.

Eine dieser Hallen beherbergt die Firma „American Muscle Motorsports & Services“, das Ziel meiner langen Anreise an diesem herrlichen Sommertag. Ich stelle mein Auto ab, nervös betrete ich das geschotterte Vorgelände zu der mittelgroßen Halle. Mit ihrer braunen Farbe und dem großen beige-braunen Logo hat sie einen klassischen Look. Durch das offene Hallentor dringen leise die Töne einiger Rock Klassiker der 60iger und 70iger. Gleich hier auf dem Platz treffe ich auf das erste Objekt meiner Begierde: eine 65er Corvette Stingray. Verliebt schleiche ich um dieses wunderbare Fahrzeug, streiche über die Kiemen im Kotflügel, bemerke die Speichenfelgen mit den Rennslicks, schaue durch das flache, große Heckfenster. Plötzlicher ohrenbetäubender Lärm reißt mich aus meinen emotionsgeladenen Erinnerungen vergangener Zeiten, als ich diesen Rennwagen in Aktion auf den verschiedenen Rennstrecken in Europa und Übersee bestaunte.

„Ergriffen ist der Mann erst dann, wenn ihm sein Traumauto begegnet.“

Nur wenige Meter von mir entfernt und bis jetzt vollkommen unbemerkt, kämpft ein 67er Ford Mustang, ebenfalls im Renntrim, gegen den Widerstand des Rollenprüfstands an. Es ist das zweite Fahrzeug, weshalb ich heute hier bin. Mit grimmigen Blick und aggressivem, brüllendem V8 Sound erinnert er furchteinflößend an ein wildes, ungezähmtes Tier. Mit respektvollem Abstand beobachte und lausche ich der Prozedur, welche immer wieder die volle Drehzahl des 427er Motors abruft und mich schauern lässt. Als die Messung vorüber ist wird es still. Die Fahrertür öffnet sich und heraus steigt ein circa 1,85m großer Kerl in schwarzer Kleidung. Er nimmt seinen Hörschutz ab, kommt mit einem netten Lächeln auf mich zu und begrüßt mich mit einem festen Händedruck.

B. Ing. Bastian Ebener gründete 2011 „American Muscle Motorsports & Services“ als „One Man Show“. Von der ersten Stunde an galt seine Leidenschaft den hubraumstarken Klassikern der amerikanischen Muscle Car Szene. Obgleich als edler Rennwagen oder als Fahrzeug mit Straßenzulassung. Seine Passion und sein stetes Engagement sorgten dafür, dass seine kleine Firma sich rasch auf dem Markt für klassische Fahrzeuge etablierte und ihr ovales Logo bald auf diversen Rennsport Veranstaltungen zu sehen war.
Er führt mich in seine Halle, während eines lockeren Gesprächs umrunde ich das amerik. Rennpferd. Der Geruch nach Abgas und Benzin aber auch die Hitze der Motorhaube und die knackenden Sidepipes erwecken einen Eindruck, als stünde ich direkt auf der Nordschleife im Fahrerlager. Eine Weile bestaune ich diesen PS starken Boliden, bis Herr Ebener mich mit dem Satz „Dort steht es.“ aus den Gedanken reißt. Ich hebe meinen Kopf, mein Blick folgt seinem, der in eine andere schwach beleuchtete Ecke der Halle blickt.

„Zylinder: Statussymbol, das man nicht mehr auf dem Kopfe, sondern unter der Motorhaube trägt.“

Dort unter einem Paletau verborgen, steht der Grund meines Besuchs. Trotz des Tuches ist die Aerodynamik und die Eleganz der Linienführung dieses flachen Rennwagens unverkennbar. Die Abdeckung wird gelüftet, ich befinde mich einem Traum in hellblau gegenüber. Im Gegensatz zu den anderen beiden Fahrzeugen sehe ich dieses hier zum ersten Mal in live. SchließIich stehe ich vor einem Daytona Coupe.
Erst seit kurzem fertigt das junge Unternehmen diese äußerst aufwendige und von Peter Brock lizensierte Replika, welche dem Anspruch, dem Original bis ins kleinste Detail zu 100% zu entsprechen, vollends gerecht wird. Meine Hand gleitet die scheinbar unendlich lange Motorhaube hinauf, tief muss ich mich hinunter bücken um einen Blick ins schlichte wie edle Cockpit dieses Racers werfen zu können.

Bei einem cremigen Cappuccino an einer halbrunden Kaffeebar im Stile der 60iger, berichtet Herr Ebener von dem Werdegang seiner Firma. Die Tage, an denen er die Arbeit alleine bewältigen konnte, sind längst vorbei. Mittlerweile hat er ein fleißiges wie solides Team hinter sich versammelt, welches getreu dem Motto „Geht nicht – gibt’s nicht“ Träume mit Herzblut wahr werden lässt – beispielsweise das Daytona Coupe.

„Dem Meister vom Handwerk soll man glauben“

Anschließend gehen wir durch eine schmale Tür hinüber in einen anderen Teil der Halle. Danach bekommen die Schilderungen und Namen unseres vorhergegangenen Gesprächs auf einmal Gestalt. Im hinteren Bereich sind zwei Männer damit beschäftigt eine weitere Motorhaube des Shelby Racers auf einer Form anzupassen und zusammen zu schweißen. Fast zum Takt der kernigen Musik erschallt der zielgerichtete Schlag des Hammers auf dem 1,5mm starken Alublech. Kurz darauf zuckt der weiß-blaue Blitz des WIG-Schweißgeräts. Ruhig und routiniert werden die vorgefertigten Teile zusammengefügt. Volker Christ und Oleg Hodakowski sind insbesondere für Karosseriearbeiten aller Art verantwortlich. Des Weiteren Rico Kalff, der gerade dabei ist an einer Kantbank weitere Teile anzufertigen. Unverkennbar ist der Geruch nach Epoxyspachtel, welcher in der Luft liegt.

Konzentriert überprüft Michael Corman den Fortschritt seiner Schleifarbeiten an einer instandgesetzten Tür einer AC Cobra. Doch die Herrn sind nicht alleine- unter der Cobra stehen zwei zierliche Beine heraus, die mit Sicherheit einer Frau gehören. Wenig später stellt diese sich als Gina Jaeschke vor, die Lebensgefährtin von Bastian Ebener. Sie treibt nicht nur die Verwaltung der Firma voran, sondern hilft auch sonst bei diversen Arbeiten – wie in diesem Augenblick bei der Montage einer Auspuffanlage.

Nach vier schönen wie informativen Stunden sitze ich anschließend wieder in meinem Wagen. Ich begebe mich mit vielen Ideen im Kopf auf den Heimweg. Heute bin ich meinem Traum eines historischen Racers näher gekommen. Und kurzum bin ich sicher, den Partner zur Umsetzung dieses Projekts gefunden zu haben.
Christopher Humbold